Ein Turm für drei Nester?
In Sachen Umsiedlung der Storchennester auf dem Dach der Legelshurster Kirche ist noch keine Entscheidung gefallen. Der Ortschaftsrat wird sich noch einmal intern beraten. VON RICHARD LUXWillstätt-Legelshurst. Die Zuhörerreihen bei der Sitzung des Legelshurster Ortschaftsrates am Montag waren voll besetzt. Es mussten sogar noch Plätze nachbestuhlt werden. Grund für den großen Andrang war ein altes Thema im Dorf: Die Umsiedlung der Storchennester auf dem Dach der Legelshurster Kirche.
Von Seiten der Kirche nahmen Pfarrer Andreas Eisenmann und Karen Veihlmann, die von der Kirchengemeinde zur Sanierung der Kirche beauftragte Architektin, als Gäste an der Sitzung teil. Laut Veihlmann kann mit der geplanten Einrüstung der Kirche Ende 2025 und der Renovierung Anfang 2026 nur begonnen werden, wenn die fünf Storchennester – eines auf dem Kirchenschiff und vier auf dem Kirchturm – nicht mehr da sind. Es müssen also kurzfristig Ersatzorte gefunden werden. Eine Wiese in unmittelbarer Nähe der Kirche, wo sich auch schon ein umgesiedeltes Storchennest befindet, ist dafür in Legelshurst auch schon länger im Gespräch.
Ball im Feld der Stadt
Mit diesem nahen neuen Standort hätten der Pfarrer und die Architektin kein Problem. Allerdings gehört diese Wiese der politischen Gemeinde, die dann den Ball zugespielt bekäme und die nötigen Auflagen für den Umzug der Storchennester mit den zuständigen Behörden besprechen müsste.
Es entwickelte sich eine ausführliche Diskussion mit Wortmeldungen aller Ratsmitglieder. Matthias Lusch (FWV) verwies darauf, dass zwei Nester ja eine Gefahr für die Fußgänger auf dem Weg zur Kirche darstellen (die Kehler Zeitung berichtete). Für diese Nester müsse man keinen Ersatz suchen. Dies sei ihm auf seine Anfrage vom Landratsamt mitgeteilt worden. Den Antrag dafür müsse allerdings die Kirche stellen. Karen Veihlmann sagte zu, dies nochmal prüfen lassen. Sollte die Auskunft stimmen, brauchte man also nur noch drei neue Nistplätze zu suchen.
Als möglicher Standort kristallisierte sich immer mehr die Nachbarschaft des schon umgesiedelten Storchennestes heraus, und man favorisiert dort auch drei Nester. Allerdings sollten dies keine Einzelnester sein, sondern man würde eher einen Turm bauen, worauf dann drei neue Nester Platz hätten.
Nabu ist skeptisch
Gérard Mercier, Vorsitzender vom Nabu Kehl-Hanauerland, informierte, dass Störche sehr standorttreu sind und oft 30 Jahre zurück auf den alten Platz kommen. Er kenne Fälle, wo Störche Ersatznester nicht angenommen haben. Es sei nicht auszuschließen, dass trotz anderer Ersatzmöglichkeiten die Störche, wenn ihre alten Nester weg sind, während der Renovierung der Kirche etwa auf dem Baukran oder dem Gerüst anfangen ein Nest zu bauen.
Die Kosten für die neuen Nester wird laut Mercier nicht der Nabu übernehmen. Dies sei Sache des Besitzers des Gebäudes, von dem das Nest entfernt wurde.
Am Ende ging die Tendenz im Ortschaftsrat zwar stark in Richtung „ein Turm für drei Nester“, dennoch entschloss sich das Gremium, noch einmal eine Ortsbesichtigung mit der Architektin und dem Nabu anzuberaumen, um sich dann hinterher im Rat noch einmal intern zu beraten.
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