Ein Stück Musikgeschichte lebt wieder auf
Restaurierte Orgel feierlich eingeweiht / Nach mehr als 40 Jahren ertönt das Instrument in der Langenalber Marienkirche erneut
(red). „So eine Orgel muss man sich vorstellen wie ein Haus mit mehreren Etagen. Hier in Langenalb haben wir zwei Manuale und ein Pedal, also sozusagen drei Stockwerke. Und in jedem Stockwerk wohnt eine bestimmte Pfeifenfamilie“, erklärt Martin Kares. Schwungvoll zieht er an den Registern der restaurierten Ludwig-Goll-Orgel in der Marienkirche in Langenalb und beginnt dann, mit den Füßen auf den Pedalen einen wilden Tanz aufzuführen. Dumpfe, tiefe Töne erklingen aus den längsten und damit tiefsten Pfeifen. Auf einigen Gesichtern der Gäste blitzt erst Erstaunen, dann Heiterkeit auf: Der Leiter des Glocken- und Orgelamtes im Evangelischen Oberkirchenrat in Karlsruhe hatte spontan „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“ angestimmt. Eine knappe Stunde lang stellte Kares die frisch restaurierte Orgel der Gemeinde vor.
Gemeinsam mit dem Orgelbauer Wolfram Stützle beantwortete er Fragen zu Pfeifenarten, Stimmung und Mechanik. Rund 70 Gäste hatten sich am Freitagabend zur offiziellen Einweihung der Orgel in der Marienkirche versammelt, teilte die Evangelische Kirchengemeinde Langenalb-Marxzell mit. Zuvor begrüßte Pfarrer Oliver Elsässer die Anwesenden. Anschließend sprach Bürgermeister Helge Viehweg seinen Dank für die Leistungen der Unterstützerinnen und Unterstützer beim Wiederaufbau der Langenalber Orgel aus. Der ehemalige Pfarrer von Langenalb/Marxzell und „Entdecker“ der Orgelreste in der Pfarrscheuer, Schuldekan Daniel Dettling, sagte krankheitsbedingt ab.
Mit der Veranstaltung bedankte sich der Kirchengemeinderat bei allen Spenderinnen und Spendern, die auch durch ihr Engagement im Förderverein „Orgelfreunde der Marienkirche in Langenalb“ rund 22.500 Euro aufgebracht haben. Dies entspricht etwa einem Viertel der Gesamtkosten der Restaurierung. Die restlichen Kosten wurden durch Zuschüsse der Landeskirche, des Landesdenkmalamts und zahlreicher Stiftungen gedeckt, wie Elsässer betonte. Eine große Tafel mit den Namen der Sponsoren soll bald in der Marienkirche angebracht werden.
Zum Hintergrund: 2017 hatte der damalige Pfarrer Daniel Dettling gemeinsam mit seinen Kindern durch Zufall die Reste einer alten Orgel in der Pfarrscheune entdeckt, die dort über 40 Jahre gelagert war. Nach der Begutachtung durch Kares vom Orgelbauamt stellte sich heraus, dass es sich um die fast vollständig erhaltene Hans-Christian-Goll-Orgel aus dem Jahr 1870 handelt, die damals in der Marienkirche eingebaut war. Bei der Kirchenrenovierung Anfang der 1970er Jahre wurde sie entfernt und durch eine moderne Elektronikorgel ersetzt.
Die alte Romantik-Orgel ist eine Besonderheit und verleiht der Langenalber Marienkirche ein Alleinstellungsmerkmal im gesamten süddeutschen Raum zurück, heißt es weiter in der Pressemitteilung. Durch Benefizveranstaltungen der Kirchengemeinde, einen Orgelförderverein und die Unterstützung der örtlichen Vereine und Einwohner konnten die Restaurierungskosten von rund 100.000 Euro aufgebracht werden.