Pfarrer zieht nach 14 Jahren weiter
Michael Wurster hat in Engen viel geleistet Nun wechselt Seelsorger nach Gottmadingen Zum Abschied gibt es für ihn ein emotionales FestVON ELMAR VEESER SINGEN.REDAKTION@SUEDKURIER.DE
Engen – Was bleibt nach 14 Jahren seelsorgerischem Dienst in Engen? Eine Frage, die sich viele Gläubige zur Verabschiedung des evangelischen Pfarrers Michael Wurster mit einem Festgottesdienst und anschließendem Empfang im neuen Gemeindehaus gestellt haben. Aber es gab auch viele Antworten: Leon Nielson von der Gemeindejugend bescheinigte dem scheidenden Gemeindepfarrer, dass sich die Jugend dank ihm weiterentwickelt und man unzählige Stunden gemeinsam verbracht habe.
Wolfgang Hauser von der Seelsorgeeinheit Oberer Hegau beschrieb ihn als zugänglich und humorvoll. Und Conny Hoffmann, die Vorsitzende des Kirchengemeinderates, bestätigte ihm, dass vieles in den vergangenen Jahren gewachsen sei, das die evangelische Kirchengemeinde nach vorne gebracht und weitertragen habe.
Zur Verabschiedung ihres Pfarrers fanden zahlreiche Gläubige aus der evangelischen Kirchengemeinde den Weg in die Engener Auferstehungskirche. Die Mitglieder des evangelischen Kirchenchors „Die Kantorei“ sorgten für den festlich-musikalischen Rahmen und Barbara Kempe vom evangelischen Kirchengemeinderat überreichte einen filigranen, selbstgebastelten Stern: „Folge weiter deinem Stern“, lautete ihr Rat für die Zukunft, die Wurster bereits nach Gottmadingen geführt hat. Engens Bürgermeister Frank Harsch wünschte ihm für seine künftigen seelsorgerischen Aufgaben alles Gute und ergänzte in seiner typisch trockenen Art: „Wir kennen uns noch nicht so lange, aber dafür inzwischen ganz gut.“
Was bleibt, das wollte auch der so Geehrte, übrigens gebürtiger Mannheimer, genauer wissen. Er fand persönliche, emotionale Worte zu seinem Abschied. Für ihn bleibe nicht nur der schöne Blick auf die Altstadt, die herrliche Natur, sondern in erster Linie natürlich die Menschen und die damit verbundenen Begegnungen. „In Engen bleibt man hängen“, zitierte Wurst ein gängiges Wortspiel. Für ihn seien es insgesamt 14 Jahre gewesen, in denen er in den Familien die Kinder konfirmiert und die Großeltern beerdigt habe.
Die Jugendfreizeiten blieben ihm in Erinnerung, die Arbeit im ökumenischen Sozialkreis und in der Bürgerstiftung Engen und die Baugeschichten rund ums neue Gemeindehaus. Dann kam er aufs Grundsätzliche, dass der Auftrag des Theologen sei, die Worte Gottes zu verkünden, diese auszulegen und von dessen Liebe zu den Menschen zu sprechen.
„Nicht falschen Propheten folgen“
Der Theologe sei der Wahrheit verpflichtet und sein Tun durch die Freiheit des anderen bestimmt und begrenzt, so Pfarrer Wurster in seiner Predigt. Wichtig sei, nicht den falschen Propheten zu folgen, nicht auf die Populisten hereinzufallen, die mit ihren scheinbar einfachen Antworten auf komplexe Fragen die Menschen verführten. Pfarrerin Louisa Mallig nahm als Stellvertreterin des Dekans die feierliche Entpflichtung von Pfarrer Michael Wurster vor und ging auf seine Arbeit und Leistungen als Seelsorger ein. Auch sie betonte, dass ihm die Jugendarbeit besonders am Herzen liege.
Wichtig sei ihm stets, die Jugendlichen auf Augenhöhe zu behandeln, ihnen etwas zuzutrauen. Nicht von ungefähr sei er seit dem Jahr 2014 Bezirksjugendpfarrer. „Seither ist in der Jugendarbeit viel gewachsen“, so Mallig, die Pfarrer Michael Wurster als leidenschaftlichen Prediger bezeichnete, der auch für seine kreativen Gottesdienstformate bekannt sei.
Berührend war, dass sich nach Ende des Festgottesdienstes alle Anwesenden persönlich von ihrem Pfarrer verabschiedeten. Im Anschluss an den Gottesdienst lud der Kirchengemeinderat die Gäste zum Stehempfang mit Getränken und Grillwurst ein, wobei die enge Verbundenheit zwischen Pfarrer und evangelischer Kirchengemeinde immer wieder zum Ausdruck kam.
„Wir kennen uns noch nicht so lange, aber dafür inzwischen ganz gut.“
Frank Harsch, Bürgermeister
So geht es weiter
Dekan-Stellvertreterin Louisa Malllig hat Michael Wurster von seinem Dienst in Engen offiziell entpflichtet, aber zum 1. September dieses Jahres trat er schon seine neue Pfarrstelle an, wo er für die inzwischen zusammengeführte evangelische Kirchengemeinde Gottmadingen-Büsingen-Gailingen tätig ist. Der gebürtige Mannheimer ist über seelsorgerische Tätigkeit in Bodman-Ludwigshafen nach Engen gekommen. Nun folgt der Wechsel an die Hochrhein-Pfarrei. Der zentrale Einführungsgottesdienst findet am Freitag, 15. November, um 17 Uhr in der Gottmadinger Lutherkirche statt. (ev)
![]() |