Offenburger Tageblatt Offenburg, 23.10.2024

 

Geplant, gekocht, geplaudert

Das vierte gemeinsame Essen der evangelischen und katholischen Kirchengemeinden im Rahmen der Aktionswoche gegen Armut war ein voller Erfolg. Rund 250 Mahlzeiten wurden zubereitet. VON BARBARA PUPPE

Offenburg. „Armut bedroht immer noch alle“ – zu diesem Thema hat es in der letzten Woche verschiedene Veranstaltungen gegeben, die informieren und sensibilisieren sollten für die zunehmende Schieflage in der Gesellschaft. Der Programmpunkt „Iss gemeinsam“ war der gesellige Höhepunkt, eine willkommene Gelegenheit, sich zu treffen und auszutauschen.

Es duftete lecker am Freitag im Gemeindesaal St. Martin, alle Tische waren besetzt, bei der Essensausgabe hatte sich eine lange Schlange gebildet. Putenrouladen mit Kartoffel-Gemüsegratin wurde ausgegeben, auch eine vegetarische Variante mit Bratlingen. Auf der Speisekarte standen auch Salat und selbst gebackene Kuchen.

Rund 120 Gäste zählte Andreas Hillebrandt, Fachbereichsleiter für die Beratenden Dienste beim Caritasverband, dazu kommen zahlreiche ältere oder kranke Menschen, die darum gebeten hatten, ihnen das Essen nach Hause zu liefern. Die schon traditionell gewordene Aktion „Essen für alle“ war auch in den Corona-Jahren beibehalten worden. Weil man sich nicht treffen konnte, wurden damals Taschen mit vakuumverpacktem Essen in der Stadt verteilt.

Viele ehrenamtliche Helfer waren im Einsatz, die Hauptarbeit hatten Beate Bleyer-Hansert, kirchliche Sozialarbeiterin in Stegermatt und Ingrid Neliba, Sprecherin des Gemeindeteams der Pfarrei Herz Jesu. Und weil diese bis Sommer Fachbereichsleitung der Haus-und Landwirtschaftlichen Schulen (jetzt Helene-Lange-Schule) und Mitglied der erweiterten Schulleitung war, kann sie die dortige Großküche weiterhin nutzen, um das Gemeinschaftsessen zuzubereiten: „Wir haben mit Ehrenamtlichen aus verschiedenen Pfarreien und Einrichtungen 15 Kilo Kartoffeln, acht Kilo Lauch, vier Kilo Zucchini und 37 Kilo Putenrouladen zu rund 250 Mahlzeiten verarbeitet“, erzählt sie.

Am Freitag seien die Helfer acht Stunden bis 23 Uhr in der Küche gestanden. Den Kuchen hätten Gemeindemitglieder beigesteuert. Bleyer-Hansert war zufrieden, dass es gelungen war, das Motto umzusetzen und dass viele Menschen aus unterschiedlichen Stadtteilen gekommen waren, um zu essen, miteinander zu reden, Kontakte zu knüpfen und Brücken zu bauen. Alle genossen das Mittagsmahl im herbstlich geschmückten Saal.

„Es schmeckt vorzüglich“, war allgemeiner Tenor. Manche hätten sich sogar einen Nachschlag geholt, verriet jemand. Und als das Kartoffelgratin gerade ausgegangen war und die Nachlieferung wegen der Baustellenstaus in den Offenburger Straßen auf sich warten ließ, verlor niemand die Geduld. „Fangen wir halt mit dem Kuchen an“, lachte ein hungriger Gast.

Für das große Engagement so vieler beim Planen, Vorbereiten, Kochen und Aufräumen gab es auch ein Dankeschön von Pfarrerin Jutta Wellhöner und Dekan Matthias Bürkle. „Alle sind begeistert von dem leckeren Essen “, so Wellhöner, „eine gute Gesellschaft, völlig verschiedene Menschen, die sich miteinander offensichtlich wohlfühlen“. Die Essensaktion sei ursprünglich von der katholischen Kirche angeregt worden, die evangelische Kirche beteilige sich gerne daran unter anderem mit verschiedenen Kollekten der Kirchengemeinden.

Auch Dekan Bürkle ließ sich das Essen schmecken und freute sich über die vielen Gäste: Menschen aus der Stegermatt und anderen Stadteilen, Menschen, die auf der Straße leben, ausländische Studentinnen und Studenten, Haupt-und Ehrenamtliche aus den Gemeinden. „Dass alle miteinander Mittagstisch halten, sich begegnen, ins Gespräch kommen, das hat einen ganz hohen Wert“, sagt der Dekan. Er sei mehrfach gefragt worden, ob man das nicht zu einer Dauereinrichtung machen könne, dass es in Offenburg vielleicht zweimal in der Woche ein warmes Essen dieser Art geben würde. Darüber müsse man nachdenken.