Schwarzwälder Bote Haslach, Hausach, Wolfach, 16.10.2024

 

„Kirchen haben sich digital entwickelt“

Interview Heinrich Bedford-Strohm, Vorsitzender des Weltkirchenrats, kommt zum Podiumsgespräch nach Hausach.

Hausach Welt – Kirche – Zukunft, zu diesen drei Worten wird Heinrich Bedford-Strohm, der amtierende Vorsitzende des Weltkirchenrats, am Vorabend des Reformationsfests, Mittwoch, 30. Oktober, in der Hausacher Stadthalle um 19 Uhr zu einem Podiumsgespräch erwartet. Der Hausacher Pfarrer Hans-Michael Uhl kennt Bedford-Strohm seit gemeinsamen Studienseminar-Zeiten in Heidelberg. Der lang geplante Vortrag im Kinzigtal konnte jetzt als Teil einer Baden-Württemberg-Bahnreise Bedford-Strohms mit Stationen in Herrenberg und Tübingen realisiert werden. Im Gespräch mit unserer Redaktion macht Bedford-Strohm Appetit auf den Abend.

Für den Weltkirchenrat sind Sie ja ehrenamtlich viel auf unserem Globus unterwegs, von wo aus telefonieren Sie heute mit mir?

Tatsächlich aus meinem „Tiny House“, einem von zwei modernen Bauwagen auf dem Biohof meiner Schwester in einem 180-Seelendorf in der mecklenburgischen Seenplatte. Aber Sie haben recht, als Vorsitzender des Exekutiv-Ausschusses des Weltkirchenrates bin ich ehrenamtlich schon sehr viel unterwegs, die letzten Ausschuss-Sitzungen haben mich nach Nigeria und Kolumbien geführt, die nächste Sitzung findet auf Zypern statt.

Diese drei Länder klingen nicht gerade nach entspannten Sitzungsorten.

In der Tat geht der Weltkirchenrat (eine Organisation, die weltweit 600 Millionen Christen vertritt) für seine Exekutiv-Sitzungen an Orte, wo (Glaubens-)Konflikte ausgetragen werden.

Verfügt der Weltkirchenrat noch über Gesprächskanäle zur russisch-orthodoxen Kirche?

Auf der Vollversammlung des Weltkirchenrats in Karlsruhe im September 2022 wurde Putins Angriffskrieg als illegal und unmoralisch verurteilt, die russisch-orthodoxe Delegation hat dieses Votum nicht verhindert. Auf diese Gesprächsbasis berufen wir uns auch jetzt noch, natürlich hat man in der Weltkirche Verständnis, dass die russisch-orthodoxe Kirche Putin nicht offen zu kritisieren wagt.

In der Hausacher Stadthalle wird sicher auch der aktuelle Stand der Ökumene in Deutschland diskutiert werden, wie sieht es damit aus?

Die katholische Bischofskonferenz hatte in der Vergangenheit ausdrücklich die Synode als Organ der evangelischen Kirche positiv hervorgehoben und hat jetzt für sich den „synodalen Weg“ eingeschlagen, die beim Reformationsjubiläum 2017 geschaffene Vertrauensbasis wirkt immer noch positiv nach.

Muss die Kirche digitaler werden?

In der Pandemie haben sich die Kirchen, wie die gesamte Gesellschaft auch, mit Videokonferenzen und vielem mehr digital entwickelt. Wir müssen die Mitglieder unserer Kirche da abholen, wo sie sind und das schließt geeignete digitale Formate nicht aus, ich selbst habe auf Facebook etwas mehr als 21 000 Follower.

Alle ihre Vorträge finden bei freiem Eintritt statt, wenn jemand am 30. Oktober aber doch was „in die Kollekte“ geben will, darf er das?

Seit 2006 geht alles, was bei meinen Vorträgen gegeben wird, an das Projekt „Wikwiheba“ in Ruanda. „Wikwiheba“ heißt „Verlier nie die Hoffnung“, in der Stadthalle werde ich Infomaterial auslegen, Spenden sind möglich auf das Spendenkonto Wikwiheba e.V. IBAN: DE33 3506 0190 1800 0250 16 BIC: GENODED1DKD

Das Gespräch führte Matthias Dorn.