Acher-Rench-Zeitung, 15.10.2024

 

Ein „Geschenk“ für die Gemeinde

Franziska Clemen ist die neue Pfarrerin auf Probe in der evangelischen Kirchengemeinde Oberkirch. Im Festgottesdienst zu ihrer Einführung beschwor sie die Gläubigen, Gottes Botschaft zu verkünden. VON ROMAN VALLENDOR

Oberkirch. In einem feierlichen Gottesdienst in der Oberkircher Martin-Luther-Kirche wurde Franziska Clemen durch Dekan Oliver Wehrstein in den Probedienst der evangelischen Kirchengemeinde Oberkirch eingeführt. Sie ist Amtsnachfolgerin von Pfarrer Roland Kusterer, der in den Ruhestand getreten ist.

Die sofortige Besetzung der Pfarrerstelle sei unüblich, ein Geschenk für die Gemeinde, betonte Wehrstein in seiner Ansprache. Als neue Pfarrerin sei sie aufgrund ihrer Herzlichkeit und Offenheit, für ihre Bereitschaft, sich für Glauben und die Kirche einzusetzen, mit offenen Armen von den Kirchenmitgliedern aufgenommen worden.

„Schon jetzt und noch nicht – so könnte man die aktuelle Berufsphase von Franziska Clemen bezeichnen“, stellte der Dekan fest. Schon jetzt sei sie Pfarrerin der Gemeinde und noch nicht ganz, weil ihre Dienstzeit zunächst noch durch den Probedienst von zwei Jahren begrenzt ist.

Wie eine Verlobung

Wehrstein verglich die Einführung mit einem Verlobungstag. Franziska Clemen, der Kirchengemeinderat und die Kirchengemeinde würden die nächsten zwei Jahre miteinander im gegenseitigen, ernsthaften Willen unterwegs sein. Alle zusammen verbinde das Ziel, vielleicht nicht wie beim Eingehen einer Ehe mit dem Versprechen ein Leben lang, aber doch eine zunächst unbegrenzte Zeit, zusammenzubleiben. Die heutige Einführung sei etwas kleiner und ohne Urkunde, aber nicht weniger herzlich und dankbar, bekräftigte Wehrstein.

„Schon jetzt“ bewege sich Clemen zwischen großen Fragen und Themen, wie die Größe des Kooperationsraums und die Rechtsformen, um die Kirche der Zukunft zu entwickeln. Die Kirchengemeinde dürfe sich auf eine Pfarrerin freuen, die viel Lebens- und Berufserfahrung mitbringe und von ihrer Familie unterstützt werde. „Ihr bisheriger Weg imponiert mir. Ich freue mich schon jetzt, Sie als Dekan in den nächsten zwei Jahren begleiten zu dürfen.“ Wehrstein wünschte der Pfarrerin, dass sie Gott spüren möge, seinen Segen, sein Mitsein und Gnädigsein, auch in schwierigen Lebenssituationen.

In ihrer Predigt begab sich Franziska Clemen auf eine Zeitreise. Seit ihrem Umzug stünden kleine, bunte „Schatzkästen“ im neuen Wohnzimmer mit vielen unterschiedlichen Briefen. Geschrieben seien sie mit Kugelschreiber, Füller oder Filzstift. Die Briefe ließen sie etwas von der Person, die sie schrieb, spüren. In ihrer weiteren Betrachtung erwähnte Clemen auch „ungeschickte“ Briefe, die zwar geschrieben, aber dann für ungeschickt befunden und daher nicht versandt wurden.

Nach außen leuchten

Lernen könne man von Paulus, der „mutig und frei“ der Gemeinde in Korinth seinen Glauben verkündete. In einer Zeit, in der die frohe Botschaft nicht selbstverständlich auf Gehör treffe, würden die Worte des Paulus guttun, so Clemen: „Vertraut! Jede und jeder von euch in der Gemeinde ist eingezeichnet in Gottes Hand und seine Handschrift ist eingezeichnet in euer Herz. Sucht Gottes Botschaft in euch und lasst sie nach außen leuchten.“ Probedienst hieße in der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz „Entsendungsdienst“. Wie Paulus sei jeder Mitarbeiter in der Gemeinde ein „Empfehlungsschreiben Gottes“, ermutigte Clemen, und auch dazu, in diesem Sinn wieder mal einen Brief zu schreiben.

Den Einführungsgottesdienst gestalteten musikalisch der Gospelchor unter der Leitung von Klaus Apelt, der Posaunenchor unter der Leitung von Michael Kretschmer sowie an der Orgel Erwin Meyer und seine Tochter Beatriz.