Theologe: Vielen Menschen fehlt nichts, wenn Gott fehlt
Osnabrück/Heilbronn (epd). Viele Menschen kommen dem Theologie-Professor Gregor Etzelmüller zufolge mit Krisen zurecht, ohne dabei auf Religion zurückzugreifen. «Das gilt zumindest in dem Sinne, dass immer mehr Menschen nichts fehlt, wenn Gott fehlt», sagte Etzelmüller, der Professor für Systematische Theologie an der Universität Osnabrück ist, am Montag beim Pfarrertag der württembergischen und der badischen Landeskirche in Heilbronn.
Das habe sich exemplarisch in der Corona-Pandemie gezeigt, als zwar die Baumärkte öffnen durften, die Kirchen aber geschlossen werden mussten. Den Kirchen und ihrer Botschaft sei damit eine Systemrelevanz abgesprochen worden, sagte Etzelmüller. Der Theologe empfahl den Kirchen, verstärkt konkret über Gott zu sprechen statt allgemein über Religion: «Diejenigen, die noch irgendwie mit Gott rechnen und ihm etwas zutrauen, erwarten von Kirchen und Theologie eine Antwort auf die Frage: Wo ist Gott in all dem, was wir gegenwärtig erleben?»
Martin Diepgen (CDU), Erster Bürgermeister der Stadt Heilbronn, bescheinigte den Kirchen trotz rückläufiger Mitgliederzahlen eine zentrale gesellschaftliche Rolle. Allzu oft seien sie aber gefangen in Strukturdebatten.