BADISCHE NEUESTE NACHRICHTEN Karlsruhe, 14.10.2024

 

Planetarium statt Gottesdienste?

Klaus Müller

Eine Kirche, samt Gemeindehaus und Kindergarten, könnte zum Verkauf angeboten werden – und zwar von der Kirche. Genau mit diesem Gedanken muss sich die evangelischen Lukasgemeinde auseinandersetzen. An diesem Montag präsentieren drei Kaufinteressenten dem Stadtkirchenrat der evangelischen Kirche Karlsruhe ihre Vorstellungen, was sie mit dem Gebäudeensemble vorhaben. Eine endgültige Entscheidung darüber, wer den Zuschlag erhalte, werde bei der nicht-öffentlichen Sitzung nicht getroffen, ließ auf Anfrage dieser Redaktion Dekan Thomas Schalla durchblicken.

Über die drei Bewerber will er nichts sagen: „Da muss ich mich zum jetzigen Zeitpunkt bedeckt halten.“ Und Bewertungen über die Bewerber wolle und könne er derzeit ohnehin nicht vornehmen. Der Stadtkirchenrat, dem auch der Dekan angehört, besteht aus gewählten Synodalen und ist für die Umsetzung der Liegenschaftsplanung zuständig.

Dass es im Hinblick auf die Liegenschaften der Evangelischen Kirche in Karlsruhe – gut 50 sind es an der Zahl – teilweise einschneidende Zäsuren geben wird, ist nicht erst seit gestern bekannt. Die einzelnen Kirchenbezirke, so jedenfalls lautet die Vorgabe der Landeskirche Baden, müssten 30 Prozent ihrer Gebäude „dauerhaft aus der zentralen Finanzierung herausnehmen“. Die Kirche muss sparen, sich gegebenenfalls von Immobilien trennen. Verkaufserlöse sollen dann in den Erhalt von Kirchengebäuden fließen, deren Ampel auf „Grün“ steht – die somit weiterhin im kirchlichen Besitz bleiben sollen.

Betroffen von der „roten Ampel“ ist die Lukasgemeinde. Zum Auftakt der gesamtkirchlichen Verkaufskationen geht es jetzt um das (denkmalgeschützte) Gebäudeensemble der Lukasgemeinde. Nach zuverlässigen Informationen der BNN gibt es wenigstens drei Bewerber mit unterschiedlichen Ambitionen. Da wäre zunächst Björn Wirtjes, der ein Planetarium im Kirchengebäude einrichten möchte – verstanden als „Ort für Bildung, Wissenschaft und Kultur“. Eine nach oben verschiebbare Kuppel mit einem Durchmesser von acht Metern soll das Herzstück des Planetariums werden. Gottesdienste wären weiterhin in der Kirche möglich.

Großes Interesse am Erhalt der Kirchengemeinde als Kirchengemeinde mit den dazugehörigen Gebäuden hat mit dem Verein „Wir für Lukas“ ein weiterer Interessent. Ihm gehören rund 200 Mitglieder an. „Unser Ziel ist es, Kirche, Gemeindehaus und Kindergarten für die gemeinsame Nutzung in der Regio West aus eigener Kraft zu erhalten“, fasst der Vereinsvorsitzende Friedrich-Wilhelm Möller die Zielsetzungen von „Wir für Lukas“ zusammen. Und der Verein scheint seine Hausaufgaben gemacht zu haben. Mit drei Optionen kann er laut Möller ins Rennen gehen: Die Stadtkirche überlässt dem Verein und damit der Lukasgemeinde die Gebäude. Damit würde das Ensemble aus der Finanzierung der Stadtkirche fallen. Als weitere Möglichkeit bietet sich eine Verpachtung an. „Das Planetarium könnte bei uns Untermieter werden. Gespräche darüber hat es bereits gegeben“, berichtet Möller. Überdies hält sich der Verein die Option Kauf des Ensembles offen.

„Unsere Vorschläge könnten Modellcharakter für die Kirche haben. Wir als Gemeinde schaffen etwas Gemeinschaftliches. Und unsere Kirche verliert nicht an Bedeutung. Im Gegenteil – sie gewinnt“, meint Anne von Rudloff von „Wir für Lukas“. Der Verein setze dabei auf Kooperationen mit Partnern wie die Musikhochschule, Theatereinrichtungen oder die VHS. „Sehr wichtig ist uns auch die Zusammenarbeit mit der Markusgemeinde und der Karl-Friedrich-Gemeinde, die mit der Lukasgemeinde zusammengeführt werden“, ergänzt Möller.

Schließlich ist da noch die Johann König GmbH, bekannt unter dem Namen „König Galerie“. In Berlin hat der Galerist bereits eine ehemalige Kirche, St. Agnes, zu einer Arbeit- und Galerieplattform für zeitgenössische Kunst umgewandelt. Beworben wird „St. Agnes als Begegnungsort vom Gemeinderaum zum Raum für die Gemeinde“. Ähnliches hat König mit den Gebäuden der Lukasgemeinde vor. Er will das Gebäudeensemble kaufen. Und es könnte nach BNN-Informationen einen weiteren Bieter (aus Karlsruhe) geben. Ihm schwebt vor, die Liegenschaft Lukas durch eine gemeinnützige Stiftung für die (breite) Öffentlichkeit, nicht zuletzt für die Lukas-Kirchengemeinde, zu erhalten. Sein Credo: Dieser besondere Ort dürfe keiner kommerziellen Nutzung zugeführt werden.