Promovierter Jurist soll neuer Pfarrer werden
Martina HolbeinRastatt. Seit dem 5. Mai dieses Jahres ist die Pfarrstelle der evangelischen Petrusgemeinde Rastatt vakant. Da feierte Pfarrer Albrecht Berbig mit seiner Frau Miriam seinen Abschiedsgottesdienst.
Seit Januar dieses Jahres war die Pfarrstelle ausgeschrieben, wie viele andere in der Badischen Landeskirche auch. Zur Freude der Petrusgemeinde ging eine Bewerbung ein, eine erste Kontaktaufnahme folgte sowie ein erstes Kennenlernen mit dem Ältestenkreis und den Pfarrerkollegen. Schnell sei klar gewesen, dass Bewerber und Gemeinde gut zueinanderpassen. So beschreibt Julia Cord (Foto: Julia Cord) den Prozess, der mit der Entscheidung für Dietmar Reizel als neuen Gemeindepfarrer ein positives Ende fand.
Für Cord ist die Unterstützung durch Reizel, der sich am 20. Oktober in einem Kennenlern-Gottesdienst persönlich vorstellt, auch dringend nötig. Schließlich hat sie, die in einer Ministelle als Jugendkoordinatorin in der Gemeinde beschäftigt ist, das Fach Religion unterrichtet und predigt, in der pfarrerlosen Zeit das Gemeindeleben mit einem Team von 120 Ehrenamtlichen am Leben gehalten.
So wurden im Juni die neuen Konfirmanden begrüßt und der Konfirmationsunterricht ins Laufen gebracht. Weiter wurden fünf Sommerfreizeiten organisiert – auch die wöchentlichen Gottesdienste wurden zur Hälfte von Cord übernommen und zur anderen von externen Vertretern geleitet. Darüber finden auch die große Herbstfreizeit im Oktober und sonstige Angebote wie der Bibeltreff wie gewohnt statt. Viel Arbeit und Zeit, sagt Cord, habe das alles beansprucht – aber es sei eine Übergangszeit gewesen.
Natürlich werde auch der neue Pfarrer eingearbeitet und zugleich besprochen, wie die bereits vorhandenen Strukturen und Modelle aussehen, aber auch, was er neu beginnen möchte. Cord spricht von großen Fußstapfen, in die ein neuer Pfarrer in der Petrusgemeinde tritt.
Dietmar Reizel versieht seinen Dienst seit 2017 in der evangelischen Kirchengemeinde Ravenstein-Merchingen, bei Buchen im Großraum Heilbronn. Dort trat er 2017 seine erste Pfarrstelle als Pfarrer im Probedienst an und verlängerte diese 2019 auf unbestimmte Zeit.
Bemerkenswert: Reizel ist ein klassischer „Quereinsteiger“, der erst seine besondere Beziehung zu Gott spürte, als er nach seinem Jura-Studium mit abgeschlossenem Doktortitel schon einige Jahre als Justiziar in einem mittelständischen Wirtschaftsunternehmen tätig war. Obwohl er über Jahrzehnte in Kirche und Gemeinde als Ehrenamtlicher tätig war, darunter auch als Kirchengemeinderat, sah er nun seine Berufung als Pfarrer: hauptberuflich im Dienst der Gemeinde und für Jesus Christus.
Daher begann er als zweite Berufsausbildung ein komplettes Theologiestudium nebst den Alten Sprachen, das er an der Universität Heidelberg abschloss. Danach ist er in das Lehrvikariat der Badischen Landeskirche eingetreten.
Die Stellenausschreibung der Rastatter Petrusgemeinde habe ihm sehr zugesagt, weshalb er sich gern auf diese Stelle beworben hatte. Zusammen mit seiner Frau Melanie, die ebenfalls ein großes Herz für christliche Gemeindearbeit hat und ihren Mann darin tatkräftig unterstützt, erfolgte ein erstes Kennenlernen mit Verantwortlichen der Petrusgemeinde, das sehr erfreulich und positiv verlief.
Auch Rastatt selbst ist den Reizels, die aus dem Raum Karlsruhe beziehungsweise Pforzheim stammen und dort aufgewachsen sind, bekannt.
Da auch der Oberkirchenrat in Karlsruhe sein Placet gegeben hat, freut sich Reizel auf den Kennenlern-Gottesdienst mit der Gemeinde am Sonntag, 20. Oktober, um 10 Uhr.
Reizel sieht seine Aufgabe darin, einerseits die Menschen im Glauben zu begleiten, will zugleich aber auch das Thema Kirchenferne in Gesprächen nicht außenvor lassen. Wenn alles nach Plan läuft und der Ältestenkreis seiner Bewerbung zustimmt, kann Pfarrer Dietmar Reizel sein neues Amt in der Petrusgemeinde im Februar 2025 antreten.
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