Staunen über die Wunder überall im Leben
Kirchengemeinden: Traditionelle Erntedankgottesdienste umfassten viele Aspekte der Dankbarkeit im Großen und Kleinen
Von Ralf StrauchBrühl. Christen feiern das Erntedankfest nach dem Einbringen der Feldfrüchte im Herbst. In ihren Gottesdiensten danken sie dem Herrn für seine Gaben – das machten die katholischen und die evangelischen Gläubigen in Brühl am vergangenen Wochenende. Dabei standen die Ernte und die Früchte des Feldes im Mittelpunkt, aber auch das tägliche Brot und alles weitere, was Menschen zum Leben brauchen.
Als Zeichen dafür schmückten die Gemeinden ihre Altäre in der Schutzengelkirche und im evangelischen Gemeindezentrum mit den Früchten des Feldes und der Brühler Gärten.
Das Erntedankfest soll an die Abhängigkeit des Menschen von der Natur erinnern, hieß es bei den Katholiken. Christen danken Gott für die Feld- und Obsterträge des Jahres. Das Fest soll verdeutlichen, dass der Mensch die Schöpfung Gottes nicht unter Kontrolle hat, sondern selbst ein Teil dieser Schöpfung ist.
In der katholischen Schutzengelkirche drapierte die Kolpingfamile die Gaben von Privatpersonen und von Edeka Embach attraktiv um das Erntedankkreuz. In der Predigt des ansonsten von Pater Kurian Thomas zelebrierten Gottesdienst ging Diakon Kurt Gredel darauf ein, dass das Fest aus einer Zeit komme, in der der Großteil der Bevölkerung noch in der Landwirtschaft gearbeitet habe. Gleichwohl sei es nichts Gestriges, denn zum Erntedank begleitete die Gläubigen noch heute ein Text aus dem Markus-Evangelium. Man erlebe einen streitbaren Jesus, der den Konflikt nicht scheue und der gängige Meinungen gegen den Strich bürste. Einen provozierenden Jesus, der als Ernte seiner Gedanken seineeigenen Weg gehe und ein klares Wort spreche, so Gredel.
Staunen, Ehrfurcht und Dank – diese drei Haltungen zum Leben und zu Gottes Schöpfung standen im Mittelpunkt des Gottesdienstes im evangelischen Gemeindezentrum. Und damit um das Staunen über die Wunder, die den Menschen tagtäglich umgeben. Die Ehrfurcht vor Gottes Schöpfung, denn „Gott hat uns alle Wunder, Lebewesen und Pflanzen auf dieser Erde anvertraut, damit wir gut leben können“, betonte Pfarrerin Melanie Börnig. Aber er habe den Menschen damit auch eine Verantwortung übertragen für seine Schöpfung.
Und das umfasst laut der evangelischen Pfarrerin auch den Dank für alles, was Gott den Menschen schenke – jeden Tag. Der Dank dafür, dass Gott den Menschen in Liebe begegne und das Leben fördere. Also auch der „Dank für die Gemeinschaft, in der wir leben“.
Dazu gehöre auch der Dank für die Jugendlichen, die sich neugierig und mit frischen Ideen und Tatkraft auf den Weg zu ihrer Konfirmation begeben und die im Verlauf des Erntedank-Gottesdienstes in der evangelischen Kirchengemeinde willkommen geheißen wurden.
Der Erntedankaltar wurde zuvor von Konfirmanden geschmückt und aufgebaut. ras