Mannheimer Morgen Stadtausgabe, 27.09.2024

 

Neuer Vorwurf steht im Raum

Pflege: Johannes-Diakonie äußert sich nicht zu medizinischem Notfall im April. Personalmangel sei nicht ursächlich gewesen

Von Peter Jaschke

Ladenburg. Das Fach-Pflegeheim der Johannes-Diakonie im Ladenburger Neubaugebiet Nordstadt-Kurzgewann steht weiter in der Kritik. Es gibt als Reaktion auf die Berichterstattung dieser Redaktion vom 11. September neue Vorwürfe, aber ebenso Lob: „Wir können das Haus nur positiv beurteilen“, schreiben Eltern einer schwerbehinderten Frau, die seit Januar 2024 in der Einrichtung für Menschen mit Teilhabe-Einschränkung und zusätzlichem Pflegebedarf wohnt, nachdem sie zuvor sieben Jahre bei der Johannes-Diakonie in Mannheim verbracht hatte. Ihr Eindruck von der Wohngruppe in Ladenburg: „Die Pflege und die soziale Betreuung wird von sehr engagierten Mitarbeitenden mit Herzblut durchgeführt.“ Dass daran nach wie vor kein Zweifel bestehe, betont auch Susanne. So hat diese Redaktion den echten Namen der Mutter einer Bewohnerin aus einer anderen Wohngruppe anonymisiert. Sie vermisst auch weiterhin nicht nur Beschäftigungstherapie für die Tochter, sondern schon länger vor allem auch eine „transparente Kommunikation der Verantwortlichen mit Angehörigen“. Im Juli hatte die Heimaufsichtsbehörde bei einem Routinebesuch in sechs von acht für die Qualität relevanten Punkten Mängel festgestellt, diese aber auf Anfrage als „im Bereich des Üblichen“ eingeordnet. Stellten doch inzwischen „Engpässe bei der personellen Ausstattung nicht nur bei dieser Einrichtung ein Problem dar“.

Bewohner seien „zu keinem Zeitpunkt gefährdet“ gewesen

Über immer gravierendere Folgen der Personalnot im Pflegebereich hatte diese Redaktion anhand eines persönlichen Schicksals berichtet, nachdem sie von Susanne auf die Situation im Haus hingewiesen worden war. In ihrer damaligen Stellungnahme räumt die Johannes-Diakonie eine zeitweise „schwierige Personalsituation“ ein. Ein Sprecher schildert bereits ergriffene sowie geplante Gegenmaßnahmen und betont: „Das leibliche Wohl der Bewohnerinnen und Bewohner war zu keinem Zeitpunkt gefährdet.“ Über diese Aussage zeigt sich jedoch Claudia Rupp „sehr verwundert“, weil sie ihrer Ansicht nach anderes gehört hat.

Die Leserin schildert der Redaktion per E-Mail diesen Fall aus dem April dieses Jahres: Nachdem einer schwerbehinderten Bewohnerin Nahrung verabreicht worden sei, habe sie reanimiert, in der Folge für mehrere Wochen auf eine Intensivstation und danach in ein Pflegeheim für Beatmete verlegt werden müssen. Dort befinde sie sich noch immer, so die Frau. Die ihr gut bekannten Eltern möchten sich nach Auskunft der Leserin „zu dieser Situation momentan nicht öffentlich äußern, da sie gegen die Einrichtung Anzeige wegen Körperverletzung erstattet haben“.

Einrichtung bleibt bei gemachter Aussage

Auf erneute Anfrage dieser Redaktion teilt die Johannes-Diakonie mit, dass „wir uns zu gesundheitlichen Daten aus Gründen der Schweigepflicht und des Persönlichkeitsschutzes nicht äußern können“. Die zitierte Aussage zum leiblichen Wohl habe sich, so der Pressesprecher weiter, „auf mögliche Gefährdungen infolge der in der Presseanfrage thematisierten personellen Ausfälle bezogen und nicht auf medizinische Notfälle, die unabhängig von der personellen Ausstattung in einem Pflegeheim vorkommen können“. Insofern habe diese Aussage „weiterhin Bestand“.

So sieht es die Johannes-Diakonie. Susanne hört nach eigenen Angaben Gegenteiliges von anderen Angehörigen. Und erlebt, dass ihre Tochter gegen den Willen der Eltern püriertes Essen bekomme, obwohl sie an rund 60 Tagen im Jahr bei der Familie feste Nahrung schlucken könne und Atteste vorlägen.

Dass sie als Mutter zum Essenreichen ins Heim komme, sei unerwünscht. Doch möchte Susanne kein Öl ins Feuer gießen: „Ich will keinen Krieg, aber ich lasse mich auch nicht mehr hinhalten mit Versprechen, die nicht eingehalten werden können, und mit Ignoranz, was die Kommunikation mit uns Angehörigen betrifft.“