Ein Blick von außen in Zeiten des Umbruchs
Drei Tage ist die evangelische Landesbischöfin Heike Springhart im Kirchenbezirk Markgräflerland unterwegs. Der Besuch der Kirchenleitung will weniger Kontrolle als Unterstützung in schwierigen Zeiten sein.
Kreis LörrachSeit Donnerstag bis zu diesem Samstag besucht Heike Springhart, seit 2022 Landesbischöfin der Evangelischen Landeskirche in Baden, zusammen mit einer siebenköpfigen Visitationskommission mit Vertretern der Landessynode und des Oberkirchenrats den Kirchenbezirk Markgräflerland. Für die 49-Jährige ist es ein Besuch in der alten Heimat: Die Theologin hat in Böllen einen Großteil ihrer Kindheit verbracht und in Schönau das Abi gemacht. Ihr ist die Region also vertraut.
Die Visitation diene der wechselseitigen Wahrnehmung, sagte Springhart am Freitagnachmittag bei einem Pressegespräch zur Halbzeit des Besuches. Es gehe nicht nur darum, als Kirchenleitung zu sehen, ob alles richtig läuft. Vielmehr wolle sie und die Kommission hören, wo die regionalen Herausforderungen und Schwerpunkte liegen, aber auch wo im Umbruch vor Ort der Schuh drückt, und diese Anliegen mitnehmen.
Eine zentrale Herausforderung des Bezirks im äußersten Südwesten sieht Springhart in den „völlig unterschiedlichen Strukturen“ zwischen dem Oberen Wiesental und dem Markgräflerland. „Wie bleiben wir hörbar, sichtbar, erreichbar und relevant für die Menschen“, müsse sich Kirche fragen. Die Lage des Bezirks im Herzen Europas und einer grenzüberschreitenden Region ist dabei für die Landesbischöfin ein Potenzial, mit dem man mehr wuchern könnte.
Dekanin Bärbel Schäfer stellte die Visitation unter das Motto „Es wächst was...“, angelehnt an ein Bibelwort aus dem Buch Jesaja. Es solle ausdrücken, dass der Prozess der Transformation scheitere, wenn man sich nicht immer wieder darüber verständige, dass hinter allem Gott stehe. Es gelte, in einer Notlage nicht nur den Mangel zu verwalten, sondern auch die Aufbrüche wahrzunehmen, Menschen, die sich auf den Weg machen und kirchliche Arbeit in den Gemeinden und darüber hinaus leisten. Der Blick von außen, wie ihn eine Visitation biete, könne helfen, blinde Flecken zu entdecken, denen der Bezirk mehr Aufmerksamkeit schenken sollte, um die Basis zu stärken und zu unterstützen.
Für den Landkreis Lörrach seien die evangelische und die katholische Kirche wichtige Kooperationspartner, befand Kreissozialdezernentin Elke Zimmermann-Fiscella. Beispielsweise in der Schulsozialarbeit, den Beratungsstellen und in der Pflege. Mit Diakonischem Werk und Caritasverband stehe man in einem engen Austausch. Auch in schwierigen Zeiten versuche man, gemeinsam Lösungen zu finden und das Beste aus dem Vorhandenen zu machen. Froh ist der Landkreis auch über das ehrenamtliche Engagement in den Kirchen. Noch mehr Einsatz würde er sich bei der Trägerschaft von Kindertageseinrichtungen wünschen. Kitas seien für die Kirchen auch eine Möglichkeit, Kinder und Familien zu erreichen und ihnen wichtige Werte zu vermitteln.
Der Lörracher SPD-Kreisrat und Landtagsabgeordnete Jonas Hoffmann, der zu Jahresbeginn in die Kirche eingetreten ist, hält Kirchen für relevant. Hass und Misstrauen, die um sich greifen, stellten sie eine klare Antwort entgegen: Gnade, Glaube und Liebe. Gefragt sind die Kirchen aus Hoffmanns Sicht beim Schaffen von bezahlbarem Wohnraum. Als Besitzer vieler Gebäude und Flächen seien sie aktuell noch Teil des Problems, sagte der SPD-Politiker. Er würde sich wünschen, sie würden Teil der Lösung mit dem Schaffen von Wohnraum. Hoffmann weiß aber auch, dass diese Prozesse „unfassbar schwierig“ sind. Springhart zeigte sich offen für „intensive Gespräche“ zu kirchlichen Immobilien. Sie könnten eine Chance sein für gemeinschaftliches Leben.Daniel GramespacherGottesdienste mit Mitgliedern der Visitationskommission diesen Samstag, 28. September, 18 Uhr: Weil am Rhein (Y-Church), Tegernau (Laurentiuskirche), Rheinfelden (Christuskirche), Hausen, Lörrach (Gemeindesaal Christuskirche und Friedensgemeinde) sowie Malsburg-Marzell (Michaelskirche).