Acher- und Bühler Bote, 24.09.2024

 

Hauruck für die gute Lösung

Stephanie Hölzle

Shuttlebus zum Schülerhort

Es ist ja nicht so, dass man es nicht wüsste: Wenn alle an einem Strang ziehen und idealerweise in dieselbe Richtung, dann klappt’s auch. Ein gutes Beispiel ist dafür der Baden-Badener Schülerhort. Als bei ihm die Schließung drohte, weil einfach zu wenige Kinder dort angemeldet waren, rauften sich alle Beteiligten zusammen mit einem gemeinsamen Ziel: Die Einrichtung für Grundschüler am Fremersberg muss gerettet werden.

Die Motive für das Engagement zum Erhalt des Schülerhorts waren dabei völlig unterschiedlich: Die evangelische Kirche als Träger war überzeugt, dass das Team im Hort super Arbeit leistet und die Familien die qualitätsvolle Ganztagsbetreuung bis in die Abendstunden samt Ferienprogramm dort dringend brauchen.

Diese Ansicht teilten die Eltern der Hortkinder: Sie pflegten daher nicht nur ihre Sorgen darüber, dass die Einrichtung schließen könnte und sie vielleicht bald ohne Betreuung dastehen. Sie wurden selbst aktiv, gingen an die Öffentlichkeit, kontaktierten auch diese Redaktion, gestalteten neue Infobroschüren, machten bei den Verantwortlichen Druck.

Und dann war da noch die Stadt. Sie braucht die Hortplätze dringend, auch weil Grundschüler ab dem Schuljahr 2026/27 einen Rechtsanspruch auf Nachmittagsbetreuung haben. Da kann sie keine Einrichtung, die über Jahrzehnte gute Arbeit leistete, aufgeben. Und auch in der Klosterschule ist man dringend auf den Hort angewiesen: Denn dort platzen im neuen Schuljahr Kernzeit und Nachmittagsbetreuung aus allen Nähten.

Da war dann auch gleich klar, dass man den Bustransfer zumindest während der Pilotphase aufrechterhalten muss. Wieder zogen Verwaltung, Verantwortliche und Betroffene an einem Strang: Eltern und Schule akzeptierten die Anlaufschwierigkeiten, nahmen Wartezeiten oder zwischenzeitliche Betreuungsaufgaben hin. Stadt und Kirche organisierten schnell und unbürokratisch mehr Kapazitäten – auch wenn es dadurch natürlich teurer wurde.

Im Jahr 1997 hatte der damalige Bundespräsident Roman Herzog seine berühmte Ruck-Rede gehalten und eine entsprechende Bewegung in der Gesellschaft gefordert. Er hatte damit allerdings zum Abschied von lieb gewordenen Besitzständen aufgerufen. Doch manchmal reicht auch bereits ein entschlossenes „Hauruck“ der Beteiligten, um das Liebgewonnene zu erhalten. Man wünscht sich mehr davon.